Letzte Urteile im Hirsch-Q-Prozess

Landgericht Dortmund

Die beiden rechtsextremen Gewalttäter Sven K. und Tim G. wurden heute vom Landgericht Dortmund zu Haftstrafen verurteilt. Bei Sven K. eine Haftstrafe von einem Jahr und 4 Monaten und Tim G. zu einer Jugendstrafe von 3 Jahren und 2 Monaten.

Ferner stehen bei Sven K. ein Bewährungsverstoß und eine Haftstrafe aus dem Weihnachtsmarktvorfall an, aus denen jetzt zusätzlich eine Gesamthaftstrafe gebildet wird. Sollte das heutige Urteil rechtskräftig werden und der Verurteilte keine Revision beantragen, kommen zu der Haftstrafe von 21 Monaten, das heutige Urteil von einem Jahr und 4 Monaten. Es wurde keine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet, da er die Tat kurz nach seiner Freilassung auf Bewährung und genau eine Woche später den Überfall auf dem Weihnachtsmarkt beging.

Sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert, da er nach wie vor von der Aussagekraft des Videos, sowie seiner Zulässigkeit als Beweismittel nicht überzeugt war und – im Zweifel für den Angeklagten – deshalb eine Schuld nicht als bewiesen sah.

Bei Tim G. wurde Jugendstrafrecht angewendet, weil er zur Tatzeit noch minderjährig war und eine Reifeverzögerung vorliege: Tim G. wurde im sogenannten Weihnachtsmarktprozess zu 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Das Urteil ist mittlerweile, nach einer Abweisung des Revisionsverfahrens, auch rechtskräftig.
Die Staatsanwaltschaft forderte hier eine Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren, doch blieb das Gericht unter der geforderten Strafe und würdigte die positive Entwicklung des Tim G. Dennoch sei der Erziehungsbedarf hoch und so wurde eine Gesamtstrafe von 3 Jahren und 2 Monaten gebildet.

Das Gericht folgte somit seinem Verteidiger, der eine Haftstrafe von 4 Jahren für überzogen hielt , da sein Mandat noch sehr jung sei und durch seinen Umzug an den Bodensee den Willen demonstriert hätte sich von schädlichen Einflüssen zu distanzieren.

Während Tim G. das Urteil doch sichtlich geschockt aufnahm, da er noch nicht zu einer Haft verurteilt wurde, fiel Sven K. immer wieder durch schmunzeln, Kopfschütteln und widerwilliges Murmeln auf. Auch während der sehr ausführlichen Urteilsbegründung ließ er an seiner Verachtung für das Urteil und das Gericht keine Zweifel.

Im Publikum des Prozesses fanden sich neben unseren Prozessbegleiter*innen unangenehmerweise auch einige der, am 30. April im selben Verfahren Verurteilten.