Ausstellung „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland von 1990 bis 2013“

Fotografien und Texte von Sean Gallup

mkk

Am Sonntag den 29, September habe ich die Ausstellung „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland von 1990 bis 2013“ im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte besucht und möchte euch meine Eindrücke schildern. Dort werden noch bis zum 27. Oktober insgesamt 21 Bilder von Sean Gallup ausgestellt, die mit einem dazugehörigen wirklich guten Begleitheft, die Geschichten hinter den Fotos erzählen.

Beim betreten des wirklich kleinen Bereichs der Ausstellung machte sich bei mir erst mal Ernüchterung breit. Erwartet hatte ich etwas Anderes, etwas Größeres. Wie falsch mein erster Eindruck war, soll dieser Bericht vermitteln.

Die Bilder sind fortlaufend nummeriert und in dem Begleitheft findet sich zu jedem Bild die dazugehörige Geschichte. Und das sind eindrückliche, teils extreme Geschichten, die tief berühren. Von Opfern und von Tätern. Von Einsichten, von Reue und von Hilflosigkeit.

Da ist der Imbissbudenbesitzer, der bei einem Brandanschlag seinen Imbissstand verlor und Mithilfe von lokalen Behörden und Opferverbänden, die Spenden für ihn sammelten, seine Imbissbude wieder aufbauen konnte. Er sagt: „Irgendwas stimmt nicht mit der Politik“. Oder die von Bernd „Stippi“ Köhler, der nach einem Faustschlag und darauf folgend mehreren Fußtritten gegen den Kopf von Sven P. verstarb. Um die Tat zu verwischen, versuchte Sven die Leiche zu verbrennen.

Auch die Geschichte einer Aussteigerin wird erzählt. Wie sie in die Szene geriet, was sie dort erlebt und empfunden hatte. Wie sie langsam merkte, dass irgendwas nicht richtig war und schließlich, während eines Aufenthaltes in U-Haft in Kontakt mit „Exit Deutschland“ kam, die ihr dabei halfen, endgültig aus der Szene auszusteigen.

Die Morde der „NSU“ werden ebenfalls thematisiert. Gallup schreibt hierzu: „Die Morde stellen eine neue, tragische und mörderische Dimension rechter Gewalt in Deutschland das und werden wohl als eines der dunkelsten und beschämendsten Kapitel in der Geschichte der deutschen Strafverfolgungsbehörden eingehen“.

Das sind vier Beispiele für die Geschichten zu den Bildern, die er mit seinen Texten in dem Begleitheft eindrucksvoll schildert. Er gibt keine Antworten. Einer der Gründe, warum ich das Museum nachdenklich und mit einem beklemmenden Gefühl nach zwei Stunden verlassen habe.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Ich finde es sehr schade, dass der Mord aus dem Jahr 2005 an „Schmuddel“ alias Thomas Schulz nicht thematisiert wurde. Wäre damit doch ein direkter Bezug zum Jetzt möglich gewesen. Sein Mörder Sven K. sitzt aktuell vorm Landgericht Dortmund im sogenannten Hirsch-Q-Prozess auf der Anklagebank. Dort wird der Überfall einer Gruppe von Nazis auf das Dortmunder Szenelokal verhandelt. An dem unter anderem auch Sven K. und sein Bruder beteiligt gewesen sein sollen.

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